06.07.10
Hermannsburg
Jugendliche auf der Arbeit – Ein Interview über die Produktionsschule Hermannsburg

Ich habe mich wieder auf die Suche nach jungen Leuten an ihrem Arbeitsplatz gemacht. Dabei bot sich die Produktionsschule NordLicht in Hermannsburg an. Hierbei handelt es sich um eine Art Auffangprogramm für Jugendliche, die Probleme mit der Schule oder im Alltag haben. Sie bekommen dort einen Arbeitsplatz, z.B. in einer Töpferei, um sich wieder ins „normale“ Leben einzufühlen und nebenbei ihre kreativen Talente zu entdecken und ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Das Projekt ist freiwillig und wird mit einer finanziellen Anerkennung ( 3 Euro pro Tag ) belohnt.

Ich wollte noch ein bisschen mehr darüber herausfinden und habe Anke Remmers-Köhler, die Leiterin der Töpferei „Remmi“, befragt.

Still Writin’: Wie viele Leiter sind denn in der Produktionsschule Hermannsburg beschäftigt?

Anke Remmers-Köhler: Wir haben drei Werkstattleiter, die jeweils in einer Werkstatt zusammen mit den Jugendlichen arbeiten. Dazu gibt es noch zwei „Sozialleiter“, die sich z.B. um Probleme in der Gruppe unserer Jugendlichen kümmern.

S.W.: Und wie wird man bei der Produktionsschule angemeldet?

A.R.: Meistens ruft die Schulleitung oder das Arbeitsamt bei uns an, berichtet uns von Problemfällen und bittet darum, mit der beteiligten Person in Kontakt zu treten. Es handelt sich jedoch nur um ein einfaches Angebot unserer Hilfe. Es ist nicht verpflichtend, man hat freie Wahl! Es gab aber auch schon Fälle, bei denen Jugendliche freiwillig zu uns gekommen sind und um Hilfe gebeten haben. Bei uns ist jeder willkommen!

S.W.: Gefällt den Jugendlichen die Arbeit in den Werkstätten eigentlich gut?

A.R.: Ja, die Arbeit macht ihnen wirklich Spaß! Jeder, der bei uns angefangen hat, arbeitet immer noch hier und jeder mit viel Engagement! Wir bieten den Jugendlichen hier die Möglichkeit, ihre Talente zu entdecken und diese zu entfalten. Jeder hier nutzt diese Möglichkeit!

S.W.: Wie reagiert die Kundschaft auf die jungen Künstler und ihre Werke?

A.R.: Den Kunden ist es egal, dass die Jugendlichen vielleicht nicht gerade schulische Überflieger sind. Sie stöbern gerne in unserem Laden und kaufen das, was ihnen gefällt. Einige kommen sogar regelmäßig, um die neuen Werke ihres Lieblingskünstlers zu betrachten. Wer Interesse an dem Programm hat und vielleicht ein bisschen Hilfe benötigt, der soll sich ruhig bei uns melden! Ihr seid alle willkommen!

S.W.: Danke für das Interview!

Leandro Tonini