Wichtiges Überlebensmittel und Wohltat innerlich wie äußerlich: Wasser. Gerade im Sommer weiß man das kühle Nass sehr zu schätzen! Eine Abkühlung im Badesee oder dem Freibad tut bei sommerlichen Temperaturen gut; Gartenfreunde wässern ihre grünen Reiche und wissen auch sommerlichen Regen zu schätzen und Ärzte raten zu mindestens drei Litern Mineralwasser täglich – vor allem im Sommer. Wasser hat aber auch viel mit Sport zu tun, weit über das Schwimmen hinaus.
In Celle haben Wasser und Wassersport eine ganz besondere Bedeutung. Die Lage an der Aller und in der Nähe (heute vielfach geschützter) Heidebäche haben den Wassersport sicher mitbefördert. So ist es kaum erstaunlich, dass es mehrere Vereine gibt, die rudern, paddeln, Kanu oder Kajak fahren. Und immerhin wurde das erste in der BRD gebaute Kunststoff-Kanu in Celle hergestellt! Die Brüder Heiner und Otto Stumpf, eingefleischte Kanuten und mehrfache Medaillengewinner, hatten in der elterlichen Werkstatt experimentiert und nach einem eigenen Modell 1956 das später siegreiche Polyesterboot gebaut. Zu ihren Siegen gehörten 40 Deutsche Meisterschaften in verschiedenen Disziplinen, zwei Vizeweltmeisterschaften und eine WM im Slalom-Mannschaftsfahren (1957). Beide gehörten der Kanu-Gesellschaft-Celle e.V (KGC), dem bereits 1922 gegründeten ältesten Celler Kanuverein an.
Seit 1931 hat die Kanu-Gesellschaft ihr traditionelles Bootshaus in der Fritzenwiese. Heute hat der Verein 200 Mitglieder in verschiedenen Sparten und ist stark in der Jugendförderung vertreten. Vom Kanuwandern, einer Disziplin für (fast) Jedermann, über Kanusegeln und Wildwasser bis hin zum Kanurennsport kann man hier im Verein betreiben. Noch immer fahren Vereinsmitglieder regelmäßig bundesweite Medaillen und Erfolge ein. Erst im Juni hatte der Erste Vorsitzende Olaf von Hartz – nicht zum ersten Mal - WM-Silber errungen. Weniger im Leistungssportbereich als eher im Sektor Familie und Freizeit ist der Paddel-Klub Celle e.V. angesiedelt, da „Kanusport unter anderem ein optimaler Familiensport ist“, wie es auf der Website heißt. Der 1952 gegründete PKC verfügt über ein sehr schönes Vereinsheim am Magnusgraben (Zur Ziegeninsel). Beim Tag der Niedersachsen hat sich der Paddel-Klub unter anderem mit einer Lampionfahrt auf dem Schlossgraben. Auch die Paddler des Kanu-Clubs Lachendorf, der Kanu-Gesellschaft-Celle e.V. und Paddler anderer Vereine waren mit etwas über 20 geschmückten Booten auf dem Wasser.
Seit 1978 bestehen die Celler Kanu-Wanderer e.V., die gemeinsame Paddeltouren mit Kanu, Kajak oder Kanadier unternehmen. Heideflüsse, beschiffbare Großgewässer und Seen werden gleichermaßen bewandert. „Bei uns wird Individualität großgeschrieben, ob Kanuwandern, Kanadier, Wildwasser, Marathon, oder einfach nur Spaß und Fun, es stehen für jeden Zweck die unterschiedlichsten Bootstypen zur Verfügung“ verspricht der Verein. Beim Bootshaus auf dem großzügigen bestehen für Mitglieder des Deutschen Kanuverbandes (DKV) Camping-Möglichkeiten und Kanufahrer können hier sogar ihren Urlaub an der Aller verbringen. Alle drei Vereine gehören dem Deutschen Kanuverband an und trainieren auch im Winter im Hallenbad so genannte „Eskimo-Rollen“, das Aussteigen unter Wasser, falls ein Boot kentern sollte. Und alle Vereine verfügen über Vereinsboote, so dass auch Wassersportler, die kein eigenes Kanu oder Kajak haben, üben können.
Im Gegensatz zu Faltboot, Canadier, Kajak oder Kanu, bei denen immer nur mit einem einzigen Paddel hantiert wird, verfügen Ruderboot über zwei getrennte Ruder. Und natürlich wird auf der Aller nicht nur gepaddelt, sondern auch gerudert, und zwar ziemlich erfolgreich! Ende Juni haben Sportler des Celler Rudervereins e.V. Celler Ruderer Gold- und Silbermedaillen bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften geholt und können nun so dekoriert zur WM fahren. Am 2. Oktober hält der Ruderverein zum 53. Mal seine Regatta ab und man kann hautnah auf der Aller „Rennluft“ schnuppern. Neben dem Celler Ruderverein gibt es am Hermann Billung Gymnasium einen Ruderclub. Die beiden Gymnasien Ernestinum und Hölty haben sich zu einem gemeinsamen Ruderclub zusammengeschlossen (RCEH).
Und Sogar im Winter wird in Celle Sport auf und im Wasser betrieben. Begeisterte und Könner sind auch in den kalten Monaten in ihren Paddel- oder Ruderbooten und in Kajaks oder Kanus anzutreffen. Und nicht zuletzt mit dem jährlichen Aller-Fackelschwimmen der DLRG wird Schwimmen im Freien zum echten Wintersport. Doch momentan will an diese eiskalten Freuden niemand denken, zu warm ist der Sommer (und bleibt es hoffentlich auch noch ein Weilchen).
Die Ausgabe 07-08/2010 als Flashbook - Klick -
Andrea Hoffmann





