Gespräch zum Jahreswechsel mit Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende
Der Jahreswechsel bietet sich stets für eine Rückschau ins vergangene und einen Ausblick ins kommende Jahr an. Im Februar 2010 ist das Jahr Eins der Wahl Dirk-Ulrich Mendes zum Oberbürgermeister Celles vorüber. Grund genug, an der Schwelle zum neuen Jahr mit ihm den Blick zurück und voraus zu werfen, zu sehen, was sich geändert hat, welche Projekte und Aufgaben anstehen, und was das neue Jahr – und mit ihm auch das zweite Amtsjahr – bringen kann und soll.
Die Liste der Veranstaltungen, die die Stadt initiiert, begeleitet oder durchgeführt hat, ist lang. Der Kinder Kulturherbst, Fachwerk-Sommerakademie und die Wochen gegen Rechtsextremismus gehören ebenso dazu, wie der Tag des offenen Denkmals, das Pferdesportfestival, das Motorrad-Festival oder die Kunst-Aktion „Mobile Gärten“. Fast immer ging die Stadt Kooperationen mit verschiedenen Partnern ein. „Celle ist eine lebendige Stadt“ freut sich Dirk-Ulrich Mende. Offenheit und eine bunte Mischung für ein breites Publikum sind das Ergebnis. Das „breite Publikum“ sind zunächst einmal die Cellerinnen und Celler, die Menschen also, die den Bürgermeister gewählt haben und für die die Rathausverwaltung zuständig ist.
Auf drei Ebenen konnte der Bürgermeister in seinem ersten Jahr viele neue Erfahrungen sammeln, zum einen als Behördenchef von rund 1.000 Mitarbeitern. „Ich setze sehr auf Zusammenarbeit, und die klappt hier bei uns sehr gut. Ich freue mich, dass Frau Dr. Schmitt und ich, die wir uns ja zunächst als Gegenkandidaten begegnet waren, eine so gute und konstruktive Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten aufbauen konnten.“ Es stand neben dem Kennenlernen auch ein Verwaltungsumbau an. Zwei neue Dezernenten wurden im ersten Amtsjahr Mendes eingestellt, ein Baudezernent und ein Dezernent für Bürgerservice, Bildung, Jugend, Familie und Soziales und weitere Umstrukturierungen wurden vorgenommen. Die Stellenbesetzungen waren reine Personalentscheidungen, betont Mende. Es ging hier nicht um Parteienproporz. „Aber wahrscheinlich hat es schon geholfen, dass die beiden zufällig unterschiedliche Parteibücher hatten“, setzte er schmunzelnd hinzu.
„Die größte Hürde ist derzeit der Haushalt. Wegen der rückläufigen Steuereinnahmen müssen wir nun deutliche Einschnitte hinnehmen. Ich bin aber optimistisch, dass wir eine haushalterische Grundlage für eine Politik mit Gestaltungsmöglichkeiten legen können – trotz aller Sparzwänge.“ Der Haushaltsplanentwurf ist an der Kommunalpolitik orientiert und nicht an Parteipolitik, betont Mende. Trotz knapper Kassen sollen wichtige Projekte wie der Stadtumbau West, die Allerinsel und der Lauensteinplatz umgesetzt werden. Auch in die Zukunft will die Stadt investieren und in einer veränderten Fassung das zweite Kindergartenjahr kostenfrei anbieten. „Die Stadt Celle ihrer Bedeutung entsprechend zu entwickeln, so dass sie auch für junge Familien attraktiv ist, dass man sich hier gerne niederlässt. Gerade ihnen sollen die entsprechenden Zukunftschancen geboten werden“ fasst der Oberbürgermeister seinen ersten Wunsch für’s neue Jahr zusammen. Gute Wünsche kann man ja nie genug haben – wenn sie sich denn auch erfüllen. „Dass die Bahn schnell arbeitet.“ Was nun wirklich wie ein frommer Wunsch klingt, bezieht sich auf die angestrebte bessere Anbindung Celles an Hannover, mit mehr und schnelleren Verbindungen. Am Tag der Niedersachsen im Juni 2010 sollen solche besseren Verbindungen quasi in einer Versuchsphase hergestellt werden. „Eine bessere Anbindung an Hannover bedeutet auch eine bessere Anbindung der Hannoveraner an Celle.“ Das Thema Bahn spielt nicht nur in Sachen Kunstbahnhof („Das Projekt wird erst in zwei, drei Jahren ganz fertig sein“) für Celle in den Plänen des Oberbürgermeisters eine Rolle.
„Natürlich wünsche ich, dass der Tag der Niedersachsen, unser Großevent für 2010, so gut, schön und erfolgreich wird, wie wir uns das wünschen und zu erarbeiten versuchen.“
Auch heikle Themen sollen im neuen Jahr beherzt angepackt werden. Mit einer hochkarätig und differenziert besetzten Kommission soll in aller Offenheit kritisch mit Straßennamen und deren Zusammenhang mit der NS-Zeit umgegangen werden. Die Kommission wird, so die Hoffnung des OB, objektive Maßstäbe erarbeiten, hinter denen die große Mehrheit stehen kann, ohne die Stadt zu spalten. Auch soll die Ausstellung zur NS-Zeit vorangetrieben werden. Der kritische und aufklärerische Blick zurück ist wichtig und Aufklärung soll und kann hier als Befreiung wirken. „Denn für mich – und das sage ich so in aller Deutlichkeit – endet die demokratische Demonstrationsfreiheit da, wo neue oder alte Nazis ihr demokratiefeindliches Gedankengut auf den Straßen unserer Stadt verbreiten wollen.“
Ein weiterer Wunsch für’s neue Jahr gilt dem Umgang mit der Innenstadt: „Zu wünschen wäre auch“, vermerkte Mende schmunzelnd, „dass die Querelen des City-Managements nicht zu einem Dauerzustand werden, sondern in eine konstruktive, zielführende Arbeit zum Wohle der Innenstadt überführt werden können.“ Das City-Management ist vornehmlich für die Innenstadt zuständig, das Stadtmarketing, wie es derzeit noch unter dem gemeinsamen Dach TRC betrieben wird, betreut jedoch die gesamte Stadt – mit allen Stadtteilen und Eingemeindungen. Gute Wünsche und Zielvorstellungen gehen oft Hand in Hand, da ist es dann bis zur Umsetzung oft nur ein kleiner Schritt.
Wir danken für das Gespräch.



